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Meisterliches auf 24 Saiten

Zum fünften Mal gastierten die vier Gitarristen aus Herne in der Marienkirche.

Sie kommen aus Herne und sind in der Ruhrstadt keine Unbekannten: Ingo Brzoska, Ludger Bollinger, Peter Brekau und Guy Bitan, die das 2007 gegründete GuitArtist-Quartett bilden, gastierten Sonntag zum fünften Mal in der St. Marienkirche.

Mit virtuoser Präzision und perfektem Spiel präsentierte das Ensemble ein originelles Programm für vier Gitarren und bot Meisterliches auf ihren Saiteninstrumenten. Mit Werken aus der Romantik und des Barock bekannter Komponisten, hervorragend arrangiert von Mitgliedern der Gruppe verzauberte das GutiArtist-Quartett das Publikum. Der besondere Klang der Gitarren, die Symbiose von Virtuosität, Musikalität und Spielfreude der Musiker, dazu die wunderbare Akustik der Kirche, begeisterten die Zuhörer. Mit unverkennbarer eigener Stilistik und großer Spielfreude boten die vier Herren dem geneigten Publikum Gitarrenkunst erster Güte.

Mit großer Vitalität und Brillanz eröffnete das Quartett mit der „Pavane op. 50“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré, arrangiert von Ingo Brzoska. Klangvoll stimmten die Saitenvirtuosen die Pavane an - Ein recht modernes Werk aus der Belle Epoche, französisch für die „schöne Zeit“, die Zeitspanne um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert umfasst. Schon mit diesem ersten Stück, das voller Poesie und zarter Wehmut, innere Ruhe ausstrahlend, die Zuhörer in den Bann zog, zeigten die Musiker die reichhaltige Palette ihrer Spielfähigkeit und legten eine faszinierende Musizierfreude an den Tag.

„Wir beschäftigen uns zurzeit mehr mit der Barock-Musik“, erklärte Ingo Brzoska, Sprecher des Ensembles, dem Publikum, als Einleitung zur Darbietung von Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge in a-moll, arrangiert von Brzoska. Bach habe bei diesem sehr anspruchsvollen und komplexen Werk alle Register gezogen – und dem stand das Instrumental-Quartett in nichts nach: Das Quartett spielte dieses Werk, als sei es eigens für sie komponiert worden.

Das GuitArtist-Quartett hauchte den dargebotenen Stücken seine eigene Atmosphäre ein. Ob bei der folgenden Pastourelle von Ingo Brzoska, die eine erstaunliche Atmosphäre verbreitete, bei dem Vortrag des ersten Satzes, das „Prelude“, aus Maurice Ravels „Le Tombeau de Couperin“, arrangiert von Peter Brekau, mit wunderbaren modalen Harmonien, oder bei der berührenden und beseelenden Bearbeitung Guy Bitans von Franz Schuberts Streichquartett-Klassiker „Der Tod und das Mädchen“.

Mit „Oyun“, ein Werk in drei Sätzen, des 1947 geborenen italienischen Komponisten und Gitarristen Carlo Domeniconi, aus dem „Classical Crossover-Programm“ des GuitArtist-Quartetts endete ein äußerst hörenswertes Konzert.

Christel R. Radix, DERWESTEN 21.01.2013