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Der Tod und das Mädchen als berührendes Gemälde

Crossover-Musik zum Prinzip gemacht: das Ensemble „GuitArtist“ gibt virtuose Visitenkarte im Kammermusiksaal ab

Das GuitArtist-Quartett fördert Crossover-Projekte. Das heißt: Die vier exzellenten Künstler aus dem Ruhrgebiet, allesamt auch als Musikpädagogen tätig, unterscheiden in ihren Programmen nicht zwischen E- und U-Musik, zwischen Klassik und Pop, zwischen Folklore und Jazz. Sie wollen das Fach erweitern. Dieses Konzept trug das Konzert im Kammermusiksaal. Die Farben an diesem Abend waren stark gemischt - mit Werken von Dieter Kreidler bis Franz Schubert, von Stevie Wonder bis Roland Dyens.

Aber auch drei Mitglieder der Gitarren-Gruppe, Peter Brekau, Guy Bitan und der Bottroper Musikschul-Chef Ingo Brzoska, waren mit Eigenkompositionen beteiligt. Bitans Bearbeitung von Franz Schuberts Streichquartett-Klassiker „Der Tod und das Mädchen“ ist wahrhaftig ein starkes Stück – so poetisch wie berührend, so melancholisch wie romantisch beseelt. Das Andante con moto könnte der Hit für GuitArtist werden. Brekaus „Tango Fantasia“ verbindet den traditionellen argentinischen Tango mit neuen, jazzigen Klängen. Brzoskas „Toccatina“ (seiner anwesenden Mutter gewidmet) ist ein heiter-fantasievolles Saiten-Gemälde mit liedhafter Lebendigkeit.

Doch der vielleicht wichtigste Beitrag stammte aus der Feder des aus Tunis gebürtigen Franzosen Roland Dyens: „Hamsa“, arabisch „Fünf“ - gemeint sind die schützenden Finger einer Hand, die das Böse vertreiben sollen. Die fünf Sätze bewegen sich zwischen Erinnerungsarbeit und Balladen-Lyrik, orientalischen Floskeln und westlicher Harmonik. Ein großartiges, spannendes, elegantes Stück, das übrigens für die in Kürze anstehende erste CD des Quartetts (dazu gehört außerdem noch Ludger Bollinger) den Titel leiht: Hamsa, fünf.

Weitere Kompositionen von Patrick Roux und Carlo Domeniconi - jeweils Zeitgenossen - rundeten das ausgezeichnete Porträt eines seelenverwandten, technisch virtuosen Kollektivs ab.

Gitarrenmusik - eine eintönige Angelegenheit? GuitArtist beweist höchst lebendig das Gegenteil.

HJL, WAZ 22.02.2008